25/09/2022

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Opposition hofft heute auf die zweite Geburt Togos

VON TOBIAS DOHR

Bremen. Die Worte, die James Atayi wählt, um auszudrücken was er denkt, sind von großer Kraft: „Die Hoffnung der Bevölkerung auf eine neue Zeitrechnung ist sehr, sehr groß. Diese Wahl wird die zweite Geburt Togos werden.“ Der 42-Jährige arbeitet als Deutschland-Vertreter für das Parteien-Bündnis der Opposition, das angetreten ist, umbei der heute stattfindenden Präsidentschaftswahl im westafrikanischen Staat endgültig die Herrschaft der Familiendynastie Gnassingbé zu beenden.

Das kleine afrikanische Land, das bis zum 1. Weltkrieg eine deutsche Kolonie war, wurde fast 40 Jahre lang von Diktator Gnassingbé Eyadéma beherrscht. Nach dessen Tod 2005 wurde sein Sohn Faure Gnassingbé zum neuen Präsidenten ernannt
– unter Missachtung der Verfassung, wie von vielen Seiten kritisiert wurde. Sowohl die Opposition als auch die Uvermuteten massiven Wahlbetrug. „Inoffiziell war allen klar, dass die Opposition gewonnen hatte“, erinnert sich Atayi. Doch mit Hilfe des Militärs sicherte sich – genau wie sein Vater vier Jahrzehnte lang zuvor – auch Faure Gnassingbé die Macht.

Jetzt, fünf Jahre später, stehen erneut Präsidentschaftswahlen an. Gleich sechs Kandidaten treten gegen Gnassingbé an.

Alles nur Show, ist sich Atayi sicher. „Sechs Kandidaten sollen den Anschein von freien Wahlen erwecken“, sagt er. Dabei seien alle anderen Kandidaten lediglich Scheinkandidaten die von der Regierung unterstützt und dementsprechend anipuliert werden. Alle, bis auf einen. Mit dem 58-jährigen Jean-Pierre Fabre hat die Opposition zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte Togos einen einzigen Kandidaten ins Rennen geschickt. „Er ist das Gesicht der Freiheit. Er repräsentiert nicht nur die Hoffnung zu gewinnen, sondern eint auch das ganze Land“, sagt Atayi.

Fünf Oppositionsparteien haben ihre Kräfte gebündelt, um den Machtwechsel endlich herbeizuführen. Und es scheint die letzte Chance für das kleine afrikanische Land zu sein. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, wird es nie mehr gelingen“, glaubt Atayi. Der Grund liegt auf der Hand. Jahrzehntelang ist der Wechsel offenbar an den uneinigen Oppositionsparteien gescheitert.

Und da es in Togo nur einen einzigen Wahlgang gibt, bekam nie ein Kandidat genügend Stimmen. „Wenn wir es jetzt mit einem einzigen Kandidaten auch nicht schaffen, wird das die Menschen demoralisieren“, glaubt Atayi, der die Stimmung im Land als „hoch explosiv“ bezeichnet.

Im „Human Development Index“ der Vereinten Nationen steht Togo auf dem 159. Platz von 182 Ländern. Amnesty International weist seit vielen Jahren auf den ausgeprägten Menschenhandel sowie die katastrophalen Haftbedingungen in Togo hin. Das Auswärtige Amt informiert unter anderem darüber, dass homosexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

„Wir rechnen fest damit, dass es bei der Wahl wieder zu Unruhen kommt“, sagt Atayi. Deshalb wünscht er sich ein noch präsenteres Auftreten der EU und der UN. Zwar seien internationale Wahlbeobachter vor Ort, doch Atayi befürchtet, dass das Militär „Unruhen provozieren wird, um die Wahl abbrechen zu können.“ Jetzt sei die Zeit reif für den so lang ersehnten Wechsel.

„Das Volk weiß: Es ist die letzte Chance, diese Familie los zu werden. So oder so wird etwas einmaliges in in Togo passieren.